Berufsunfähigkeitsversicherung Ärzte sinnvoll?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte ist eine der wichtigsten Absicherungen, die du als Mediziner benötigst. Deine Arbeitskraft ist enorm wertvoll, nicht zuletzt aufgrund des langen Studiums. Als Ärztin/Arzt trägst du viel Verantwortung und bist dazu berufen, anderen Menschen zu helfen. Die physische und psychische Belastung ist hoch. Kannst du aufgrund einer Erkrankung oder Unfallfolgen deine berufliche Tätigkeit nicht weiter ausführen, schützt dich eine BU für Ärzte vor den finanziellen Folgen. Ob die BU für Ärzte sinnvoll ist, erklären wir in diesem Artikel.

Ist die BU für Ärzte sinnvoll? Angestellte Ärztin oder angestellter Arzt in heller Klinikumgebung mit Akte oder Klinikmappe – BU für angestellte Ärzte.

Das Wichtigste auf einen Blick

Warum brauche ich als Arzt eine BU-Versicherung – es gibt doch das Versorgungswerk?!

Grundsätzlich ist deine Intention, dass das Ärzteversorgungswerk auch eine BU-Leistung zahlt, ganz richtig. Allerdings sind die Hürden für eine BU-Rente der Ärzteversorgung extrem hoch. So musst du zu 100 % berufsunfähig geworden sein, um die Leistung überhaupt beziehen zu können. Im Vergleich: Bei der privaten BU reicht eine Berufsunfähigkeit in Höhe von 50 % aus, damit du Anspruch auf die Leistung hast. 

Das Ärzteversorgungswerk ist außerdem berechtigt, dich in jede andere ärztliche Tätigkeit zu verweisen (Verweisungsrecht). Bist du also Facharzt für Gefäßchirurgie, könnte das Ärzteversorgungswerk trotzdem von dir verlangen, dass du künftig als Arbeitsmediziner oder Allgemeinmediziner tätig bist, sofern deine Erkrankung dies zulässt. 

Du bekommst die Rente des ärztlichen Versorgungswerks als Arzt also nur dann, wenn du keinerlei ärztlicher Tätigkeit mehr nachkommen kannst. 

Auch, wenn du später einmal in die ärztliche Niederlassung gehen möchtest, gibt es einen großen Stolperstein in der BU-Rente der Ärzteversorgung. Bevor du die Leistung des ärztlichen Versorgungswerks erhalten kannst, musst du eine Umorganisation der Praxis durchführen (z. B. indem du einen zusätzlichen Arzt einstellst, der die Tätigkeiten übernimmt, die du selbst nicht mehr leisten kannst). War diese Umorganisation erfolgreich, hast du ebenfalls keinen Anspruch auf die Versorgungswerk-BU.

Abgesehen von den oben genannten Punkten reicht es bei jungen Ärzten, die erst wenige Monate oder Jahre gearbeitet haben, die BU-Rente des Versorgungswerks bei Weitem nicht aus. Es fehlen schlichtweg die Beitragsjahre und die BU-Rente fällt entsprechend niedrig aus. Die Rentenhöhe ist abhängig davon, wie viel und wie lange du bisher in das Versorgungswerk eingezahlt hast. Wirst du also besonders früh berufsunfähig, wird die Rente nicht mal ansatzweise reichen, um deine Kosten zu decken. 

Ob der Abschluss einer privaten BU für Ärzte sinnvoll ist, hat sich nach dem Lesen dieses Abschnitts schon beantwortet: Ja, auf jeden Fall! Verlasse dich nicht auf die BU aus dem Versorgungswerk. 

Die Ursachen für eine Berufsunfähigkeit bei Ärzten

bu ursachen psyche häufigster grund

Wirft man einen Blick auf die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit, wird schnell klar, dass die Psyche mit über 30 % auf Platz 1 liegt. Entsprechend kritisch gehen die Versicherungsgesellschaften mit Vorerkrankungen in diesem Bereich um. Schließlich ist es nicht nur im Interesse der Versicherungsgesellschaft, möglichst wenige Leistungsfälle zu haben, sondern auch im Interesse des Versichertenkollektivs. Oder würdest du als gesunder Kunde gerne dafür bezahlen, dass die Versicherung massenhaft Leistungsfälle bezahlen muss, die von vornherein absehbar waren? Wahrscheinlich nicht.

Konkret bedeutet das, dass der Abfragezeitraum für psychische Vorerkrankungen häufig länger ist, als für die meisten anderen Erkrankungen (bis zu 10 Jahre!) und viele psychische Vorerkrankungen zu einem Leistungsausschluss. Nicht selten führen psychische Erkrankungen auch zu einer Ablehnung des Antrags.

Ähnlich verhält es sich übrigens auch bei Erkrankungen des Bewegungsapparates. Auch hier sind die Gesellschaften sehr gründlich und kritisch in der Risikoprüfung. 

Grundsätzlich gilt also: Je jünger du bist, desto gesünder bist du in der Regel auch. Und je gesünder du bist, desto leichter ist der Abschluss einer BU für dich. 

Randnotiz: Keine Sorge, falls auch in jungen Jahren schon gesundheitliche Vorbelastungen gibt. Einige Anbieter haben einen vereinfachten Zugang zur BU für Medizinstudenten, in denen eine deutlich abgeschwächte Gesundheitsprüfung stattfindet. Dazu zählen z. B. die Allianz, der HDI und die LV 1871.

Schaue gerne noch in unseren Artikel Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte, um mehr darüber zu erfahren, was für dich später als Ärztin oder Arzt noch wichtig ist.

Wann sollte ich die BU abschließen?

Die Gesundheitsprüfung in der BU für Ärzte ist sehr umfangreich. Die Versicherungsgesellschaft möchte damit bei Vertragsabschluss eine Einschätzung davon bekommen, wie wahrscheinlich es ist, dass du im Laufe des Erwerbslebens berufsunfähig wirst. Machst du hier falsche Angaben, kann das deinen Versicherungsschutz nachhaltig gefährden. Im BU-Leistungsfall wird nämlich ganz genau überprüft, ob du bei Vertragsabschluss alles korrekt angegeben hast (Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht nach §19 VVG). Und wenn nicht? Dann kann der Versicherer die Leistung verweigern. Dann hättest du jahrelang umsonst in deine BU eingezahlt. 

Umgehen kannst du eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung, indem du mit einem Fachmann deine Gesundheitshistorie sauber aufarbeitest. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, bei deiner Krankenkasse oder der kassenärztlichen Vereinigung deine Patientenakte anzufordern. So können wir sicherstellen, dass du nicht versehentlich eine Behandlung vergisst. Bevor wir einen Antrag stellen, reichen wir bei den in Frage kommenden Versicherungen eine anonyme Risikovoranfrage ein. Dadurch erhalten wir vor Vertragsabschluss eine Einschätzung, ob die Versicherung dich versichert oder ob ggfs. Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge erhoben werden. 

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Welche Klauseln in der BU für Ärzte?

Das hängt natürlich in vielen Punkten davon ab, wie du dir deine Karriere und dein Privatleben ausmalst. Grundsätzlich gibt es aber ein paar Eckpunkte, auf die du unbedingt achten solltest:

Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit versichern:

Durch diese Formulierung kannst du sicherstellen, dass immer deine zuletzt konkret ausgeübte Tätigkeit versichert ist und zwar unabhängig davon, ob du als Chirurg, Allgemeinmediziner oder Psychiater arbeitest. Das räumt dir die nötige Flexibilität ein, wenn du dich im Laufe der Karriere für einen Wechsel des Fachgebiets entscheiden solltest oder noch einen zusätzlichen Facharzt abschließt. 

Durch die abstrakte Verweisung könnte dich dein Versicherer in eine andere Tätigkeit verweisen, die aufgrund deiner Erkrankung für dich noch ausführbar ist. Beispiel: Du bist Chirurg und kannst nach einem Sportunfall nicht mehr länger als 1 Stunde am Stück stehen. Eine Tätigkeit im OP ist also unmöglich. Du könntest aber als ärztlicher Berater arbeiten oder in einem anderen, nicht operativen Fachgebiet arbeiten. Ohne Verzicht auf abstrakte Verweisung würdest du keine Leistung von der Versicherung erhalten. Bei Verzicht auf abstrakte Verweisung erhältst du die BU-Rente auch dann, wenn du noch einer anderen ärztlichen Tätigkeit nachkommen könntest. 

Die Laufzeit deines Vertrags sollte bis zum regulären Renteneintrittsalter – also aktuell zum 67. Lebensjahr – gehen. Hast du eine kürzere Laufzeit vereinbart und bist in späteren Jahren berufsunfähig, kann eine Versorgungslücke zwischen der BU-Leistung und der Altersrente entstehen. Die Lücke wird größer, wenn es zu einer Anhebung des Renteneintrittsalters kommt!

Wenn du mit dem Gedanken spielst, später einmal eine eigene Praxis zu eröffnen, dann achte auf einen Verzicht auf Umorganisation bei Ärzten. Andernfalls müsstest du, genau wie bei der Leistung vom Ärzteversorgungswerk, zunächst deine Praxis derart umorganisieren, dass der Betrieb aufrechterhalten werden kann und du dein Einkommen weiterhin aus eigenen Mitteln erzielen kannst. Das kann z. B. bedeuten, dass du einen zusätzlichen Arzt einstellst, der Teile deiner Tätigkeit übernimmt, die du selbst nicht mehr leisten kannst. 

Immer wichtiger wird das Thema Teilzeittätigkeit auch bei angestellten Ärzten. Spätestens wenn es an die Familiengründung geht, wollen viele Ärzte nicht mehr Vollzeit arbeiten. Damit dir dadurch in der BU keine Nachteile entstehen, achte auf eine gute Teilzeitklausel. 

Wenn du dauerhaft oder längerfristig ins Ausland gehen möchtest, achte auf eine vernünftige Rückreiseregelung für die ärztliche Begutachtung. Einige Versicherer erkennen ausschließlich Gutachten über deine Erkrankung an, die von einem in Deutschland ansässigen Arzt erstellt worden sind, sodass du im Leistungsfall zunächst nach Deutschland reisen müsstest.

Dein Gehalt als angestellter Arzt wird sich im Laufe deiner Karriere stetig steigern. Damit auch deine BU-Rente an diese langfristige Steigerung angepasst werden kann, solltest du auf ausreichende Erhöhungsmöglichkeiten (Nachversicherungsgarantien) achten. 

BU für Ärzte - die Kosten

Was eine BU-Versicherung für Ärzte kostet, lässt sich so pauschal nicht beantworten. Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab:

Du siehst also, dass es schwierig ist, die Frage nach den Kosten für eine Ärzte-BU so einfach zu beantworten. Damit du trotzdem einen Einblick erhältst, in welcher Preisspanne wir uns befinden, haben wir dir ein paar Beispielrechnungen für eine Arzt-BU erstellt.

Gesellschaft

Allianz

Alte Leipziger

Baloise

die Bayerische

Bruttobeitrag

122,45

118,95

104,23

143,54

Zahlbeitrag

94,29

92,78

78,17

91,15

Gesellschaft

DÄV

HDI

LV 1871 

Nürnberger

Bruttobeitrag

142,69

114,61

143,27

130,75

Zahlbeitrag

93,11

85,96

94,56

83,76

27-jährige Assistenzärztin (ohne operative Tätigkeit), 2.500 € BU-Rente, ohne Zusatzoptionen, Endalter 67, Stand 07/2024

 

Gesellschaft

Allianz

Alte Leipziger

Baloise

die Bayerische

Bruttobeitrag

146,16

138,00

124,15

169,61

Zahlbeitrag

112,54

107,64

93,11

107,70

Gesellschaft

DÄV

HDI

LV 1871 

Nürnberger

Bruttobeitrag

169,94

131,10

167,04

155,29

Zahlbeitrag

110,91

98,32

110,25

99,46

27-jährige Assistenzärztin (ohne operative Tätigkeit), 2.500 € BU-Rente, 2% Leistungsdynamik, Endalter 67, Stand 07/2024

Der Zahlbeitrag (auch Nettobeitrag genannt) ist der Beitrag, der monatlich von deinem Konto abgebucht wird. Er ergibt sich aus dem Bruttobeitrag und der Verrechnung von Überschüssen. Der Bruttobeitrag (auch Tarifbeitrag genannt) ist der Beitrag, bis zu dem der Zahlbeitrag maximal steigen kann. Veränderungen des Zahlbeitrages kann es geben, wenn die Überschüsse des Anbieters in dem Tarif steigen (führt zu: Senkung Zahlbeitrag) oder zurückgehen (führt zu: Steigerung des Zahlbeitrages). Der Zahlbeitrag war bei den meisten Versicherungen über viele Jahre und Jahrzehnte annähernd konstant, weil die meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen angemessen kalkuliert waren.

Die Tabellen zeigen recht deutlich, wie groß die Spanne für die Kosten einer BU für Ärzte ist. Noch differenzierter ist das Bild bei Fachärzten, da hier bei allen Anbietern eine Unterscheidung nach Fachgebiet erfolgt. 

Wenn du dein individuelles Angebot erhalten möchtest, buche dir gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch. Beachte bitte, dass wir vor der Erstellung eines Angebots zunächst deine Gesundheitshistorie aufarbeiten, damit wir wissen, welcher Anbieter dich überhaupt versichern würde und zu welchen Bedingungen (Zuschläge/Ausschlüsse). Ein Angebot ohne vorherige Risikoprüfung ist nicht zielführend und bereitet allen Beteiligten nur unnötigen Mehraufwand. 

Telefonisch, persönlich oder online für dich da

Alternativ und zeitsparend ist die Online-Terminvereinbarung für eine Video-Beratung, ein Telefonat (wir rufen dich zu einer gewünschten Zeit an) oder vor Ort in Freiburg.